Berichte

Ein Erlebnis der besonderen Art oder

ein Breitensportturnier für Behinderte

Die ÖGV Ortsgruppe Wien-Heustadlwasser wurde auf „Jugend am Werk“ aufmerksam als sie Führerpreise für ein Turnier suchte. Man kam mit der Leiterin Christa Pichler ins Gespräch und lud die Gruppe auf den Abrichteplatz im Prater ein. Später erfuhr man von Helga Karner, dass diese eine Handicap-Breitensportgruppe regelmäßig in Niederösterreich trainiert. Einige „Heustadler“ und Frau Pichler wurden eingeladen und sahen dort eine Vorführung. Seit ca einem Jahr kommt Frau Pichler mit ihren Schützlingen regelmäßig auf den Abrichteplatz am Heustadlwasser. Einige Mitglieder des Vereins stellen sich regelmäßig mit ihren Hunden zur Verfügung um den Behinderten je nach körperlicher und geistiger Fähigkeit den Breitensport zu ermöglichen. Die Hundebesitzer waren teilweise überrascht über die einfühlsame Art ihrer Hunde im Umgang mit den Behinderten. Nicht alle Handicap-Sportler hatten sofort den „richtigen“ Hund. Manche Hunde haben sich erst später mit ihrem Handicap-Hundeführer zusammengefunden.

Renate Meindl unterstützt von Gisela Schmölz leitet das Training, das für die Hundebesitzer teilweise sehr schwierig ist, da sie nur dem Handicap-Hundeführer Anweisungen und Handzeichen geben dürfen, nicht aber ihrem eigenen Hund. Genauso schwierig war es für die Behinderten mit dem Hund richtig umzugehen, die richtigen Kommandos zu geben, ihn zu loben und zu belohnen. Auch die Hunde mussten sich daran gewöhnen von jemandem bisher Fremden Befehle auszuführen, was aber mit viel Lob und vielen Leckerlis inzwischen gut funktioniert.

Dann kam endlich der 27.September 2003 mit dem

1. Handicap-Breitensportturnier in Österreich.

Turniere sind eine Gelegenheit den Angehörigen und Freunden zu zeigen wie erfolgreich die Arbeit der letzten Monate war und sie spornen die weitere Zusammenarbeit zwischen den Behinderten und den 4-beinigen Freunden an. 11 Teams von: Jugend am Werk Landstraße traten gegen 9 Teams der Caritas Tagesstätte St. Leonhard am Forst (Verein „Handicap-Hundesport e.V. Bischofsstetten) an. Alle Beteiligte wie Starter, Hundebesitzer, Angehörige und Helfer waren ziemlich aufgeregt, nur die Hunde, die schließlich zu folgen und zu laufen hatten, nahmen alles gelassen hin. Auch einige „Briten“ (Collies und ein Bordercollie), von denen einige geprüfte Therapiehunde sind, waren vertreten. Nach dem Einzug aller Starter und der Eröffnung des Turniers begannen die ersten Teams mit der Unterordnung unter den strengen Augen des internationalen Leistungsrichters Johann Kurzbauer. Anschließend folgten die Laufbewerbe bei denen die Läufer(innen) von den sehr vielen Zusehern enthusiastisch angefeuert wurden. Die Behinderten waren mit Feuereifer dabei und lieferten persönliche Bestleistungen. Parallel dazu gab es ein Kinderprogramm und in der Pause eine Flyballvorführung. Die Stimmung, das Wetter, die Tombola, die Verpflegung der Kantine und zuletzt die Leistung der Behinderten samt ihren Leihhunden waren toll.

Die Siegerehrung beendete die gelungene Veranstaltung, die nur Dank der vielen Helfer und Sponsoren möglich war. Die schönen Pokale wurden vom Bezirksvorsteher der Leopoldstadt Gerhard Kubik den glücklichen Sportler überreicht. Als die Starterin Silvia den ihren entgegennahm nannte sie diesen Tag als den bisher schönsten in ihrem Leben. Da wurden bei vielen die Augen feucht. Alle Handicap-Starter freuen sich schon riesig auf ein zweites Turnier im nächsten Jahr und sind schon wieder eifrig beim Trainieren.



Anfänger-Hüteseminar Kettenreith

Kann mein Border Collie wirklich Schafe hüten?

Um diese Frage beantworten zu können, meldeten wir uns zum Anfängerseminar bei Marion Fuchs in Kettenreith an. Am 8. und 9. März traten fast ein Dutzend Border Collies an, um gemeinsam mit ihren Hundeführern die Grundprinzipien der Hütetechnik zu erlernen.
Nachdem wir Hundeführer in die theoretischen Grundlagen eingewiesen wurden, ging es mit den Hunden hinaus auf die Wiese. Während die erfahrenen Border die Schafe sofort fixierten, beobachteten die Neulinge die Schafe eher mit Zurückhaltung. Da im vergangenen Sommer unser erster Hüteversuch am elektrischen Weidezaun geendet hatte, hielt sich auch bei Duke die Begeisterung in Grenzen. Nach und nach erwachte jedoch in allen Hunden das Interesse an den Schafen und manche waren oft nur mehr durch totalen körperlichen Einsatz von Marion und den Hundeführern zu bändigen. Bedingt durch den tiefen Boden waren nach kurzer Zeit Mensch und Hund kaum mehr als solche zu erkennen.
Welch enorme Bedeutung das Hütetraining auch für den normalen Alltag haben kann, zeigten bereits die ersten Grundübungen:
absolute Unterordnung des Hundes, vor allem unter voller trieblicher Belastung, ist Grundvoraussetzung für die Arbeit mit Schafen - Mängel an Gehorsam wurden schonungslos aufgedeckt!
Wenn mal was schief ging und die Schafe das Weite suchten, zeigte und Marion mit ihrer Fran in anschaulicher Weise mit welcher Präzision die Schafe in den Pferch zurückgeführt werden können.
Auch die Einhaltung der sogenannten 12 Uhr Stellung war nicht immer leicht. Entweder waren wir Hundeführer zu langsam oder unsere Border sind zu schnell? Vermutlich beides. Ausserdem scheint so mancher Border ohnehin den Grundsatz zu vertreten: wo ich bin ist 12 Uhr.
Dank der Mithilfe von Lisi Schulcz konnten wir immer mit zwei Gruppen gleichzeitig arbeiten, wodurch genug Zeit für ein individuelles Eingehen auf jedes Team Hund/Hundeführer vorhanden war und eine optimale Ausbildung gewährleistet werden konnte. Am zweiten Tag waren die Fortschritte bereits unübersehbar und wir lernten langsam aber sicher unsere Hunde links oder rechts um die Schafe zu senden und sie langsam und ruhig hinter diesen nachgehen zu lassen.
Körperlich und geistig so gefordert sprang am Ende des Seminars Duke ins Auto, schlief sofort zufrieden ein und träumte vermutlich von einer grossen Weide mit vielen Schafen, die alle ihm gehören und was er wohl alles mit ihnen anstellen könnte!?
Kann mein Border Collie jetzt Schafe hüten?
Nein, ohne fundierte Ausbildung können wir beide es nicht, aber der Grundstein wurde mit dem Anfängerseminar gelegt und die eigentliche Ausbildung kann beginnen...

Text: Willi Bachbauer - Duke of Pinewood Country




Eine Winterwanderung

Da ich die Nachzucht von Janis und Angelface wieder einmal sehen wollte, schrieb ich gleich zu den Weihnachtswünschen die Einladung für einen Familienspaziergang samt Hunden. Der 29. Dezember 2001 war vorgesehen und ich träumte von einer Schneelandschaft und blauem Himmel. Bereits am 28. Dezember taute es und der letzte Schnee im Marchfeld schmolz dahin. Als es dann am nächsten Tag ununterbrochen regnete, kamen die ersten Anrufe, ob es denn bei dem Spaziergang bleibe. Ich sagte: ausgemacht, ist ausgemacht; es kann ja noch besser werden. Außerdem sind Bordercollie-Besitzer so wie ihre Hunde wetterfest!

Pünktlich um 14 Uhr fanden sich 6 Familien mit Kindern und Hunden aus allen 4 Würfen ein und gingen zum Marchfeldkanal. Um die befahrene Straße zu meiden und die Hunde gleich frei laufen zu lassen, gingen wir über ein abgeerntetes Feld. Dieses war aber durch den Regen matschig und wir hatten binnen weniger Minuten eine Horde gatschiger und nasser Fellbündel. Alle 9 (4 Rüden und 5 Hündinnen) Hunde waren jetzt Tri-color.

Im Regen stapften 16 gutgelaunte? (sie taten zumindest so) Hundefreunde mit den Borders: Janis, Angelface, Blackface, Caramel, Chiwa, Chester, Donovan, Dreamer und Dark Diamond über die tiefen Wege. Obwohl sich die Hunde selten sehen, konnten alle frei laufen und als in der Nähe 4 Rehe gesichtet wurden, kam jeder Hund auf Zuruf zu seinem Herrl/Frauerl, bis die Luft wieder rein war. Nach einer guten Stunde flotten Gehens (die Hunde legten uns ein irres Tempo vor) waren wir wieder daheim angelangt. Die Borders wurden nun in die Autos verfrachtet und bekamen zur Belohung von mir ein Schweineohr. Ich lud dann die tapferen Spaziergänger (von oben naß, von unten gatschig) zu Kaffee, Punsch und Kuchen und es wurde noch ein sehr gemütlicher Nachmittag. Zu Hause hatte dann jeder Hundebesitzer noch die nette Arbeit seine(n) Hund(e) zu baden um aus dem düsteren Erdklumpen wieder einen strahlenden, flauschweichen Border Collie zu machen.

Wir haben den Ausflug bei schönerem Wetter zu Ostern wiederholt.



Border Collies als Therapiehunde

Ausbildung:

Tiere als Therapie nennt sich der Verein, der seinen Sitz in der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat. Ich erfuhr aus einer Hundezeitschrift, daß wieder ein Kurs zur Ausbildung als Therapiehund geplant war, rief den Verein an und erkundigte mich über die Voraussetzungen, die nötig sind, um teilnehmen zu können. Der Hund sollte über ein Jahr alt sein, sich gerne streicheln lassen und sich auch etwas gröber anfassen lassen und im Gehorsam das Können einer BGH 1 Prüfung haben, d.h. Platz, Sitz, Fußgehen, abgelegt liegenbleiben. Der Kurs war 1x wöchentlich am Abrichteplatz des ÖGV Vet.Med. und ging über 10 Wochen. Außerdem gab es 4 Therorievorträge: Verhalten des Hundes, Pädagogik, Psychologie und Gereatrie. Zu Beginn des Kurses mußte auch ein Gesundheitszeugnis des Hundes vorgelegt werden, eine Versicherungskopie und eine Kotprobe abgegeben werden. Ich hatte meine beiden Hündinnen Janis und Angie angemeldet und mit einigem Geschick schaffte ich es jeweils abwechselnd mit dem einen Hund zu arbeiten, während der andere abgelegt warten mußte. Die Hunde lernten neben einem Rollstuhl herzugehen, sich vor fallenden Krücken nicht zu schrecken, bei wild gestikulierenden, schreienden Menschen Ruhe zu bewahren. Weiters wurde ein Bummel durch
die Wiener Innenstadt mit U-Bahn- und Liftfahren gemacht. Angie wurde während der Ausbildungszeit gedeckt und als wir vor der Abschlußprüfung standen war sie in der 7.Trächtigkeitswoche. Anfang Juli war dann die theoretische und die praktische Therapiehundeprüfung, welche wir alle drei bestanden. Noch während der Ausbildung mußte jeder Kursteilnehmer mit einem bereits geprüften Mitglied in eine Institution z.B. Altersheim oder Behindertenwohnheim mitgehen, um die tierunterstützte Therapie noch ohne eigenem Hund hautnah zu erleben.

Therapiearbeit im Gereatriebereich:

Bereits 2 Wochen nach der Prüfung ging ich mit Janis erstmals in das Pensionistenwohnheim Brigittaplatz, wo mich Frau Widder vom TAT-Verein vorstellte. Angie hatte inzwischen ihren Wurf bekommen und war mit der Versorgung ihrer 6 Welpen beschäftigt. Seither besuche ich wöchentlich eine Stunde die betagten Menschen, welche sich jedesmal sehr freuen wenn ein Hund auf die Betreuungsstation kommt. Janis liegt dort auf dem Tisch, die in Rollstühlen sitzenden Pensionisten können so den Hund gut streicheln, bürsten und mit Leckerli füttern. Als die Welpen von Angie 9 Wochen alt waren, nahm ich auch den braunen Rüden Charlie Brown mit zur Therapie, wo er mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Er hatte überhaupt keine Furcht vor der neuen Umgebung und den unbekannten Leuten und es war für ihn eine gute Vorbereitung auf seinen Umzug zu einem deutschen Züchter. Ab diesem Zeitpunkt ging auch Angie jedesmal mit zur Therapie und erfreut seither die Pensionisten mit dem Tennisball.
Angie hat bald begriffen, nur wenn sie den Ball auf den Schoß legt, kann er ihr geworfen werden. Auf diese Weise heitern wir die Insassen auf, sorgen für neuen Gesprächsstoff auf der Bettenstation, bringen Abwechslung und ermuntern die Senioren durch das Streicheln und Bürsten ihre Finger, Hände und auch Arme wieder vermehrt zu bewegen. Um die Hunde nicht nur im Gereatriebereich einsetzen zu können, besuchte ich auch einmal ein Tageszentrum der Institution Jugend am Werk, wo Erwachsene Behinderte den Tag verbringen. Den Hunden gefiel es dort sehr, weil die Behinderten mit ihnen mehr spielten und sie viel mehr Bewegungsfreiheit als im Pensionistenwohnheim hatten. Am Tag der offenen Tür war ich in meinem Pensionistenheim eingeladen, wo wir zukünftigen Bewohnern unsere Arbeit auf der Betreuungsstation erklärten. Es war ein voller Erfolg, wie schon so oft eroberten die Hunde
sofort die Herzen der älteren Leute und es entwickelten sich daraus eine Vielzahl netter Kontakte und Gespräche.

Therapiearbeit mit Kindern:

Ich besuchte auch eine Integrationsklasse in der 4 Volksschüler unterrichtet werden. Die Schüler sind sehr verhaltensauffällig und werden dort speziell betreut. Gleichzeitig waren auch 2 Meerschweinchen und 2 Kaninchen anwesend. Trotz der für meine Hunde ungewohnten Tiere und dem sehr lauten und ungestümen Verhalten der Kinder, konnte man sehen, daß sich die Hunde nicht aus ihrer Ruhe bringen ließen. Janis war von den Kaninchen sehr begeistert, schleckte sie zwischen den Ohren ab und konnte gar nicht verstehen, daß sie am Ende der Stunde wieder in ihren Käfig mußten. Angie, die Verfressene, wurde pausenlos von den Kindern
gefüttert, auch Karotten aß sie, die eigentlich für die Kaninchen bestimmt waren. Einige Tage später war ich in einer normalen Volkschulklasse eingeladen. Die Klassenlehrerin besitzt auch einen Therapiehund, der einmal wöchentlich mit in die Schule darf. Die Kinder waren schon vorbereitet auf unseren Besuch, machten einen Sesselkreis und ich stellte die Hunde vor. Einige Kinder, die das Theaterstück Das doppelte Lottchen gesehen hatten, erkannten Angie als denTheaterhund Pepperl wieder. Die Hunde zeigten ein paar Kunststücke, Kinder legten sich auf den Boden, Angie sprang darüber; auch das Liebkosen kam nicht zu kurz. Anschließend besuchten wir auf Wunsch einer Lehrerin eine weitere Klasse. Mein wichtigster Hinweis, den ich den Kindern übermittelte war, nie fremde Hunde anzufassen und streicheln zu wollen, ohne vorher zu fragen, denn nicht alle Hunde sind friedliche Therapiehunde.

Wenn Sie noch mehr über die Ausbildung und Einsatzmöglichkeiten von Therapiehunden wissen wollen: www.tierealstherapie.org



2 Borders im Pinzgau
Janis und Angie machen Urlaub in den Salzburger Bergen

Hallo, ich bin Borderline Country Janis, die Mutter von Angelface of Pinewood Country. Diesmal möchte ich über unseren letzten Urlaub berichten.
Endlich, gegen Ende des Sommers, merkte ich, daß mein Frauerl und Herrl in geschäftige Aktivitäten ausbrachen. Sofort bin ich zu unserem Auto gestartet und habe im Kofferraum sehnsüchtig auf die Abfahrt gewartet. Zu meinem Leidwesen wurde ich bald von Frauerl aus dem Kofferraum gelockt. Widerwillig folgte ich ihr und legte mich zu ihren Füßen. Mein Kofferraum gehörte plötzlich meiner Tochter Angie und deren 2 braunen Welpen, die wir mit auf Urlaub nahmen. Das fängt ja schon gut an, dachte ich mir; immer muß ich zurückstecken, wie schon die letzten 9 Wochen. Es dauerte allerdings nicht lange, da kamen die Jungen bereits aus dem Kofferraum zu uns nach vorne gekrabbelt und ich hatte wieder meinen Kofferraum erobert. Zu meiner Überraschung verlief dann die lange Autofahrt recht problemlos. Die Kleinen schliefen die meiste Zeit beim Frauerl. Die zwei Gassipausen auf den Parkplätzen nutzen die beiden vorbildlich. Sogar zum Mittagessen in einer Pizzeria in Mondsee nahmen wir die Welpen mit. War das ein Aufsehen als Frauerl und Herrl mit 4 Borders eintrafen! Wir haben uns aber alle vier vorbildlich benommen.

In Saalfelden, unserem Urlaubsort, wohnten wir auf dem uns bereits sehr vertrauten Bauernhof. Ich konnte es kaum erwarten das Auto zu verlassen und alle meine Freunde, die Katzen, die Enten, die Ziegen und Hennen, die Kühe und vor allem meinen Liebling, den Hasen zu begrüßen. Da ich vor allem die Kühe, die rund um das Haus auf der Wiese grasen, gerne treibe, wurde ich von Frauerl und Herrl leider ständig bewacht. Manchmal erlahmte aber ihre Aufmerksamkeit und ich lief blitzschnell zu den Kühen und trieb die Kühe, die ziemlich verstreut grasten, zusammen. War das ein Spaß! Leider wollen das meine Herrschaften gar nicht.
Die ersten 2 Urlaubstage verbrachten wir nur in der Nähe des Bauernhofes, da wir noch die 2 Welpen dabei hatten. Allerdings machten wir zu viert kleinere Ausflüge zu den umliegenden Wiesen und in den nahen Wald. Für die Kleinen waren es wunderbare Erlebnisse mit vielen neuen Eindrücken. So lieb die Kleinen auch waren, froh war ich trotzdem als diese dann an ihre neuen Besitzer übergeben wurden. Danach hatten Frauerl und Herrl mehr Zeit für mich. Endlich begannen die Bergtouren auf die ich mich schon so lange freute. Leider war ich bei den folgenden Touren immer sehr unter Kontrolle, viel mehr als meine Tochter. Ich war nämlich läufig. Trotzdem war ich sehr glücklich, denn auch an den Stehtagen wurde ich nicht daheim eingesperrt. Wir unternahmen 6-8-stündige Wanderungen in einsame Täler und auf Berggipfel, wo wir weder Mensch noch Hund begegneten.

Unsere erste Wanderung führte uns ins Rattenbachtal in den Hohen Tauern, ein völlig einsames Tal. Wir begegneten keinem Menschen, allerdings viel Weidevieh. Welch' herrliche Treibearbeit ist mir entgangen, da mich Frauerl oder Herrl immer wieder zurückriefen, wenn wir auf Viehherden stießen! Ganz am Ende des Tales, nicht weit von der letzten Almhütte entfernt, entdeckten wir eine auf dem Rücken liegende Kuh, mit aufgedunsenem Bauch und in die Höhe gestreckten Beinen. Wir dachten, sie sei tot. Aber plötzlich sahen wir, daß sie sich doch leicht bewegte. Herrl lief zurück zur Hütte auf der zufällig der Bauer und ein weiterer Mann waren. Die Kuh war in einen kleinen Graben gestürzt und konnte aus eigener Kraft nicht mehr aufstehen. Der Bauer hatte nichts bemerkt. Die 3 Männer versuchten nun unter großen Mühen die Kuh umzudrehen und dann aufzuzerren. Sie hatten anfangs wenig Erfolg. Unverständlich für mich war, daß mich Frauerl an die Leine nahm. Ich hätte ihnen schon gezeigt, wie man eine Kuh wieder auftreibt! Letztendlich schafften es die drei auch ohne mich. Der Bauer war sehr glücklich, denn es war eine wertvolle und noch dazu hochträchtige Kuh. Am Rückweg hat noch meine Tochter, die Wichtigmacherin, eine Einlage geliefert. Als sie nämlich den Bauern mit einem kurzen Treibestecken die Wiese zum Jungvieh hinuntergehen sah, glaubte sie an eine Schutzübung, stellte und verbellte ihn. Zum Glück hatte der Bauer viel Humor und war ihr für diesen Alleingang nicht böse.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Auto ins Gasteiner Tal. Dort gingen Frauerl und Herrl mit uns zu fahrenden Sesseln. Ich war sehr verwundert, was es alles gibt. Plötzlich packte mich mein Herrl und ich saß mit ihm auf einem dieser Sessel. Die Fahrt war ein Erlebnis. Man sieht so schön hinunter, fährt bequem und kommt schnell in die Höhe. Leider konnte ich nicht den guten Gerüchen folgen, die von unten heraufströmten. In der Bergstation angekommen, habe ich zu meiner Genugtuung erfahren, daß meine Tochter gar nicht so perfekt ist, wie sie immer tut. Sie hat sich nämlich schrecklich gefürchtet und die ganze Zeit auf Frauerls Schoß gezittert. In der Bergstation angekommen, begannen wir eine lange Wanderung. Frauerls Knie machte aber bald Beschwerden und so gingen nur mein Herrl und ich weiter. Angie mußte beim Frauerl bleiben. Die Tour war dann wunderschön, weil ich viel freien Auslauf hatte. Ich war ganz verwundert als sich plötzlich mein Herrl auf allen Vieren weiterbewegte. Es handelte sich nämlich um einen Klettersteig. War das aufregend. Am Gipfel waren wir zwei dann ganz alleine. Es war allerdings sehr heiß, und so war ich froh, daß ich in einem kleinen See knapp unterhalb des Gipfels ausgiebig baden konnte. Auf dem Rückweg habe ich noch Bekanntschaft mit einigen Murmeltieren gemacht. Anfangs war ich etwas verwirrt, weil ich nicht wußte wer mir immer pfiff.
Bei einer weiteren Tour entdeckte ich plötzlich ein braunes Tier. Jetzt wußte ich endlich woher dieser Geruch, den ich so oft im Wald gerochen hatte herkam! Es hatte sehr schlanke Beine und sprang sehr flink durch den Wald. Frauerl schrie fürchterlich und böse auf, als Angie und ich das Tier verfolgen wollten. So sind wir gleich mit eingezogenen Ruten wieder zurückgekehrt. Später haben wir mehrmals ganz schauerliches Röhren gehört; was das wohl war?

Ein anderes Mal gingen wir in den Wald hinter unserem Bauernhof. Plötzlich verließen Frauerl und Herrl den Weg und pirschten sich durch unwegsames Gelände. Angie und ich waren sehr erfreut, daß wir mit durften. Bisher war uns beiden nämlich streng verboten worden, die Wanderwege zu verlassen. Kurz darauf zeigte uns Frauerl am Boden ein kleines Gewächs und ließ uns daran schnuppern. Dann forderte sie uns mit "Such's Schwammerl" auf danach zu suchen. Es interessierte uns aber überhaupt nicht, wir sind doch keine Trüffelschweine! Meine Tochter zeigte sich aber sehr an den kleinen blauen Beeren interessiert; die Menschen sagen Heidelbeeren dazu. Sie graste auf den Almböden wie eine Kuh alles ab; unmöglich für einen Hund!
Einmal machte ich auch Bekanntschaft mit Schafen. Obwohl mir Frauerl verbot diese zu hüten, es waren auch Lamperl dabei, habe ich es sofort probiert, bin aber in der Hektik gegen einen dünnen Draht gestoßen, der mir einen schrecklichen Schlag versetzt hat.
Wenn wir einmal keine Bergtouren machten, gab es Unterricht auf dem Bauernhof. Frauerl unterzog uns einem kompletten Training - Schutz, Fährte, Obedience.

Die Nächte waren für uns auch sehr angenehm. Der Schlafbereich war vom Wohnbereich nur durch einen Vorhang getrennt. Somit konnten Angie und ich, wenn Frauerl und Herrl fest schliefen, in deren Bett springen. Oft haben sie es nicht gemerkt und wir konnten die halbe Nacht bei ihnen schlafen. Am Morgen haben wir sie dann wachgeschleckt. Auch das war für uns Urlaub.



Als aus mir ein Theaterhund wurde!

AngieZuerst will ich mich einmal vorstellen. Ich heiße Angelface of Pinewood Country, aber alle nennen mich nur Angie. Ich bin ein Border Collie Mädchen, wurde am 20.8.98 bei meinem Frauerl geboren und durfte als 2. Hund in der Familie bleiben. Inzwischen habe ich mich schon fast zum Rudelführer emporgearbeitet und versuche immer wieder meine Mutter Janis zu unterdrücken. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich wurde schon früh auf den Abrichteplatz mitgenommen, wo ich sehr lerneifrig bin, alles sehr schnell mache, um nur ja nichts zu versäumen. Mit Agility durfte ich im Sommer auch anfangen, was mir überhaupt den meisten Spaß macht, sodaß ich öfter gleich alle Hürden überspringe, wenn Frauerl nicht herschaut. Ich verstehe dann gar nicht, warum sie mir das immer verbieten will, ich bin ja ohnehin so schnell wieder fertig. Wenn meine Mutter Janis übt, werde ich immer fest angebunden, und man hält mir sogar zeitweise die Schnauze zu, weil ich das nicht aushalte, wenn andere Borders springen dürfen, ich aber nur winseln kann.

Eines Tages im Juni waren wir wieder mit meinen Freunden Geordi, Adrian und Eve am Heustadlwasser um Agility zu trainieren, als ein fremder Mann zu uns herantrat. Er stellte sich als Requisiteur vor und erklärte unseren Frauerln, daß er einen Border Collie für eine Rolle im Theater der Jugend für das Stück "Das doppelte Lottchen" suche. Mein Frauerl überlegte ein wenig und meinte, Janis oder ich würden vielleicht Spaß an der Sache finden. Der Requisiteur hinterließ seine Visitenkarte und sagte, er werde sich wieder melden. Endlich konnten wir wieder Hürden springen, das Warten nervte uns schon.

Etliche Wochen später stand eines Tages der Requisiteur mit dem Regisseur Klaus Rott am Abrichteplatz, um mich und meine Mutter zu begutachten. Herrn Rott gefielen wir, und er besprach mit meinem Frauerl, wer wohl der geeignetere Hund sein würde. Man einigte sich, es eventuell mit beiden zu versuchen und dann die bessere zu nehmen. Nachdem meine Mutter bald darauf gedeckt wurde und zu den Probenterminen noch mit ihrem Wurf beschäftigt sein würde, wurde ich Gegenstand des Mietvertrages zwischen Renaissancetheater und meinem Frauerl. Zur Unterzeichnung des Vertrages durfte ich mit ins Theater. Frauerl war ziemlich aufgeregt, da sie zwar meinte, ich werde meine Rolle bald können, aber trotzdem mit Unsicherheit den ersten Proben im November entgegenblickte. Sie wußte inzwischen, daß ich mit dem "Hofrat" auf die Bühne gehen mußte, dort durfte ich Lotte nicht erkennen, und am Ende meines Auftritts sollte ich alleine von der Bühne ablaufen.

Bei der ersten Probe, wurden wir herzlich empfangen, und alle wollten mich gleich streicheln, was mein Frauerl gleich unterband, weil wir noch nicht wußten, wer Lotte ist, und ich keinerlei Kontakt mit ihr aufnehmen durfte. Bekanntlich sind wir Border Collies sehr menschenfreundlich und wenn wir jemanden öfter sehen, begrüßen wir ihn stürmisch. Genau das verhinderte mein Frauerl und Lotte durfte mir bis heute kein einziges Mal über den Kopf streicheln. Mein neues Bühnenherrl, der Schauspieler Bertram Mödlagl, gab zu, sich vor großen Hunden zu fürchten, aber es wurde ihm versichert, daß ich völlig ungefährlich sei. Mein Frauerl drückte ihm bei unserer ersten Begegnung sofort ein Leckerli in die Hand mit der Aufforderung, es mir zu geben, worauf wir sofort Freundschaft schlossen. Die erste Bühnenprobe sah ich mir aus der 1. Reihe des Theaters an. Ich war völlig gelassen, schließlich kannte ich Scheinwerfer schon von Hundeausstellungen und viele fremde Menschen stören mich auch nicht. Schon nach der zweiten Probe hatte ich begriffen, wie ich mich auf der Bühne zu verhalten hatte, und der Regisseur war sehr zufrieden. Die weiteren Proben waren bald Routine, und wenn wir in die Neubaugasse kamen, wurde ich immer schneller, weil ich mich schon auf das Leckerli vor und nach dem Auftritt freute. An das Tragen des Beißkorbes in der U-Bahn habe ich mich auch bald gewöhnt, was mir anfangs schwer fiel, da ich auf jedes noch so kleine Bröserl auf dem Boden gierig bin. Dem ersten Auftritt vor Publikum blickten alle mit gemischten Gefühlen entgegen, weil sie nicht wußten, wie ich vor ca. 600 meistens Volksschulkindern reagieren würde. Ich schaute sehr erstaunt in den Zuschauerraum, als er erstmals voll war, ließ mich aber von gelegentlichen Zurufen wie "Jö schau ein echter Hund!" nicht beeindrucken.

Angie spielt PeperlAb der Premiere begann der Bühnenalltag: Außer Sonntag fuhr ich mit Frauerl den ganzen Dezember bis Weihnachten zu einer oder zwei Vorstellungen pro Tag ins Theater. Nach dem schönen Weihnachtsurlaub in den Bergen, im vielen Schnee, den ich mit meiner Mutter Janis ausgiebig genoß, gingen die Vorstellungen noch bis Ende Jänner. In dieser Zeit fühlte ich mich im Theater schon wie zu Hause. Ich hatte zwar eine eigene Garderobe, wo meine Decke lag, mein Wassernapf stand, und wo mich mein Frauerl vor dem Auftritt kurz bürstete, aber ich streifte gerne in den anderen Garderoben und Theaterräumen umher, auf der Suche nach eventuellen Streicheleinheiten oder Essensresten. Das Bühnenpersonal und die Schauspieler wollten mich gerne verwöhnen, aber mein Frauerl wachte sehr darüber, daß ich nichts zu essen bekam, da ich sonst zu dick werde. Die Zeit zwischen dem Auftritt und dem Schlußapplaus verbrachte ich entweder mit schlafen oder gerne ließ ich mich auch vom Bühnenpersonal mit einem Tennisball durch die Gänge hetzen. Die Auftritte waren für mich schon reine Routinearbeit, sodaß ich auf der Bühne gähnte oder mich einmal bei einer späteren Vorstellung sogar hinlegte und zu schlafen versuchte, aber von meinem Bühnenherrl sofort wieder aufgeweckt wurde. Mein vorschriftsmäßiger Abgang von der Bühne sollte im Laufschritt geschehen, hinter den Kulissen bekam ich dann vom Bühnenherrl noch ein Leckerli. Mit der Zeit verkürzte ich eigenständig meinen Abgang, indem ich nur schaute, ob Frauerl noch hinter der Kulisse stand, dann blitzartig umdrehte und dem Bühnenherrl wieder entgegenrannte, um die Belohnung abzuholen.

Für die Kinder im Theater immer eine lustige Sache, ebenso wenn ich in der Pause durchs Foyer hinaus mit Frauerl zum Gassi ging, wollten mich immer einige Kinder zugleich streicheln, was mir dann doch zuviel wurde. Nach der Vorstellung auf dem Weg zur U-Bahn trafen wir oft Kinder, die auch im Theater waren und dann ihren Eltern aufgeregt erzählten, daß ein Hund mitgespielt hätte, der so ausschaute wie ich.

Mir hat es Spaß gemacht, ich bin bis zur letzten Vorstellung gerne ins Theater und mein Frauerl auch. Was sie wohl mit meiner Gage gemacht hat? Bis jetzt hat es noch keine Extraportion Futter gegeben!

Angelface of Pinewood Country genannt Angie, als Theaterhund Peperl